Wunderbare Tage in der Deutsch-Schweiz

 

Begünstigt durch das traumhaft schöne Wetter verläuft die Reise wie geplant – ein Erlebnis reiht sich an das andere, alles aber gemütlich und somit ohne die geringste Hektik. Schon die Anreise ‚in den Westen’ bietet mit der Fahrt über den Arlbergpaß (warum immer durch die ‚Röhre’ fahren?) einen Einstieg in nicht enden wollende landschaftliche Erlebnisse. Am Nachmittag ist Olten erreicht, wo nach Zimmerbezug im Hotel Arte und kurzer Erfrischung die Stadtführung auf dem Programm steht. Die Liebe der einheimischen Führerin zu ihrer Stadt überträgt sich auf uns, wir erkennen deutlich, daß nicht mächtige Bauwerke den Reiz einer Stadt ausmachen sondern das Detail. Olten ist ja in seiner Geschichte immer ‚Untertanenstadt’ gewesen und hat somit keine großen Bauwerke hervorgebracht; die über die Aare führende gedeckte Holzbrücke und die hübsche kleine Altstadt sind aber sehenswert.


 

Vor dem Abendessen wird meine kleine Reisegruppe vom ‚Chef du service’ mit launigen Worten empfangen - die Einstimmung auf schöne Tage in der Eidgenossenschaft gelingt voll. Die gute Küche, das einheimische Bier sowie der ‚Rote’ aus dem Kanton Tessin und der ‚Weiße’ aus dem Kanton Neuenburg tun das Ihre, um die Freude auf die kommenden Tage noch zu steigern.


 

Auf dem Weg zum Rhein müssen die Gäste einen kleinen Umweg in Kauf nehmen - sie sind aber gerne damit einverstanden, kann ich ihnen doch die Habsburg präsentieren, diesen für die Dynastie der Habsburger namengebenden Stammsitz. Natürlich plaudern wir aus unserer Geschichte, ohne allerdings die Besichtigung des erst in den neunziger Jahren des 2o. Jahrhunderts renovierten Bauwerks zu vernachlässigen.
 




 

Weiter geht es an den Rhein, zunächst nach Stein. Von der längsten gedeckten Holzbrücke Europas, die - den Strom überquerend - nach Bad Säckingen führt, wollen sich die eifrigen Photographen gar nicht mehr trennen. Aber einige hundert Meter stromabwärts überqueren wir auf der neuen Brücke den Rhein – immer den Blick auf die Holzbrücke mit dem Fridolinsmünster im Hintergrund gerichtet.

 


 

Jenseits des Rheins dann Bad Säckingen in Baden-Württemberg. Auf dem Bummel durch die Fußgängerzone zum doppeltürmigen Fridolinsmünster, das romanische, gotische und barocke Bauelemente erkennen läßt, ist natürlich der ‚Trompeter von Säckingen’ das Gesprächsthema. Ist doch die Stadt durch das Versepos von Joseph Victor von Scheffel und die Oper von Victor Nessler berühmt geworden. Das wehmütige Abschiedslied aus dieser Oper ‚Behüt’ dich Gott, es wär’ zu schön gewesen, behüt’ dich Gott, es hat nicht sollen sein!’ hat schon bald nach der Uraufführung 1884 in Leipzig ungeheure Volkstümlichkeit errungen.

 

 

Nahe dem deutschen Ufer dann rheinabwärts bis zur ‚deutschen Grenzstadt Rheinfelden’, wo wir wieder den Strom überqueren, um von der ‚schweizerischen Grenzstadt Rheinfelden’ dann mit der ‚MS Lällekönig’ der Basler Personenschiffahrt rheinabwärts bis Basel zu fahren. Vor der Einschiffung aber noch ein ausgedehnter Stadtbummel, bei welchem das mittelalterliche Stadtbild so richtig genossen wird.

 

 

Mit der ‚MS Lällekönig’ dann in fast zweistündiger Fahrt nach Basel - trotz der nicht großen Entfernung geht es nicht schneller. Einerseits, weil einige Anlegestellen angefahren werden müssen, vor allem aber deshalb, weil zwei große Staustufen mit ihren gewaltigen Schleusenanlagen passiert werden müssen. So eine geruhsame Schiffahrt auf dem ruhig dahinfließenden Strom kosten ‚wir Landratten’ so richtig aus.

Aber dann taucht Basel auf, das Münster grüßt von erhöhtem Standort herunter. Schnell ausgeschifft und auf zum Münster, das in seinen älteren Teilen auf die romanische Bauepoche zurückgeht, dessen beide Türme aber gotisch sind. Wir lassen den schlichten romanischen Kirchenraum sowie die ebenfalls romanische Krypta auf uns wirken, bevor wir uns dem Anblick der beiden Kreuzgänge mit ihren Grabmälern hingeben.

 

 

Am nächsten Tag steht der Vierwaldstätter See auf dem Programm. Wir durchstreifen Luzern, diese liebe Stadt am Westende des Sees, wo die Reuß diesen verläßt und gleich von zwei gedeckten Holzbrücken überspannt wird. Die für Kunsthistoriker interessantere Brücke ist die Spreuerbrücke mit ihren Totentanzbildern, die bekanntere ist aber die Kapellbrücke mit dem Wasserturm, vielleicht neben dem Matterhorn   d a s   Sinnbild für die Eidgenossenschaft. Daß sich die Gäste vor dieser Brücke zum Gruppenbild aufstellen, ist wohl naheliegend.

 

 

Ein ausgedehnter Spaziergang durch Luzern folgt; viele interessante Details werden entdeckt, die einzeln anzuführen zu weit gehen würde. Dann Punkt 12 Uhr die Einschiffung auf das Mittagsschiff, die ‚MS Waldstätter’, für die Fahrt nach Vitznau und zurück.

 

 

Am Bahnhofquai wartet dann schon unser braver Fahrer Michael, um uns zum Richard-Wagner-Museum zu bringen. Es geht sich also doch noch ein Museumsbesuch aus. Der große Komponist hat für sechs Jahre das Tribschener Landhaus zu seiner Wohn- und Wirkungsstätte erkoren. Begleitet von leiser Musik durchstreifen wir das zum Museum umgestaltete Landhaus und stehen staunend vor den zahlreichen Photographien und Gemälden, die von Leben und Werk Richard Wagners erzählen. Neben einem wertvollen Bestand an Briefen und Partituren gilt es beispielsweise den Flügel zu bewundern, auf welchem der Komponist die ‚Meistersinger von Nürnberg’ vollendet hat. Ein eigenes Stockwerk des Museums ist einer ziemlich einmaligen Sammlung historischer Musikinstrumente aus aller Welt gewidmet.
 

 

Schwer nur trennen wir uns von Richard Wagner und seiner Welt, doch gilt es ja noch viel zu besichtigen. An der Astrid-Kapelle am westlichen Ortsrand von Küssnacht, errichtet zum Gedenken an die 1935 bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommene belgische Königin, legen wir eine Gedenkminute ein, um dann zur ‚Hohlen Gasse’, wo Wilhelm Tell den Landvogt Gessler mit der Armbrust erschossen haben soll, zu fahren. Auf der in den Dreißigerjahren von der Schweizer Schuljugend in vaterländischem Geist erneuerten Pflasterung der ‚Hohlen Gasse’ gehen wir aufwärts zur Tellskapelle und gedenken des aufrechten Mannes aus Bürglen im Urkanton Uri.
 

 

Einen Teil des Heimwegs nach Olten dann am Zuger See entlang – ein weiteres wunderbares Erlebnis. Am Abend hat dann unser Hotel für die Gäste eine besondere Überraschung parat: Im Freien ist gedeckt worden, vom Grill gibt es Spezialitäten. Erst zu später Stunde wird die Tafel aufgehoben.

Am vierten Reisetag fahren wir zuerst in die Bundesstadt. Es ist zwischenzeitlich so heiß, daß sich sogar das Berner Wappentier im Wasser des Bärengrabens räkelt.


Der Rundgang durch Bern führt uns zum Zytgloggeturm und zum Bundeshaus, das allerdings zum Großtel wegen Renovierungsarbeiten eingerüstet ist. Genauso verbirgt sich der Turm des Münsters zum Teil hinter einem Gerüst, doch das Innere des Gotteshauses entschädigt hinsichtlich des zum Teil verhüllten Äußeren. Besonderer Anziehungspunkt ist das marmorne Ehrenmal für die Berner, die 1798 beim Einfall französischer Truppen bei der Verteidigung der Heimat den Heldentod gefunden haben.     
  


 

Gerne blieben wir noch in Bern, doch rufen uns die Störche von Altreu. In der berühmten Storchenkolonie können wir Dutzende der Klappervögel im Flug oder in ihren Nestern beobachten. Natur pur!

Weiter geht es nach Solothurn, wo wiederum ein Stadtrundgang angesagt ist. Viele Ähnlichkeiten mit Hochbauten oder Brunnen in der Bundesstadt können wir feststellen, sind doch die gleichen Meister am Werk gewesen. Bei der drückenden Hitze tut ein Bummel durch die teils im Schatten liegenden Gassen gut. Die Zahl ‚Elf’ können wir vielfach feststellen, so beispielsweise an der Freitreppe zur St.-Ursen-Kathedrale mit ihren drei Läufen zu je elf Stufen.

Aber dann folgt für diesen Tag die letzte Fahrt mit unserem Bus: Es geht nach Aarburg, von wo die ‚Pontonierfahrt’ die Aare abwärts nach Olten erfolgen soll. Jeder fragt sich, was so eine ‚Pontonierfahrt’ eigentlich ist. Da kommt schon ein mit zwei Mann besetztes Boot herangebraust und bevor noch irgendjemand einen Gedanken an das Kommende verschwenden kann, werden den Gästen und mir schon die roten Schwimmwesten angelegt. Hinein in den Nachen mit der Aufforderung, schön brav sitzen zu bleiben und die Fahrt zu genießen.
 


 

Die anfängliche Aufregung, hervorgerufen durch das Ungewohnte, legt sich schon bald. Der Nachen, gesteuert von den zwei Bootsleuten, treibt ruhig auf dem Wasser dahin. Viel zu früh kommt Olten in Sicht, der Motor wird angeworfen, um das Wasserfahrzeug gegen die Fließrichtung der Aare nahe der Holzbrücke sicher ans Ufer zu setzen. Eine Überraschung: Frau Schwab, stellvertretender Direktor unseres Hotels, steht mit hilfreicher Hand am Ufer, um uns sicher an festes Land zu bringen.

Abends werden die Erlebnisse dieser Reise, insbesondere aber des abgelaufenen Tages mit der Fahrt auf der Aare, noch besprochen – es wird wieder spät.

Am Morgen des fünften Reisetages heißt es Abschied nehmen von freundlichen Menschen und einer uns so vertraut gewordenen Landschaft. Auf der Heimfahrt legen wir aber noch in Zürich, der größten Stadt der Eidgenossenschaft, eine längere Pause ein. Wir bummeln die Limmat entlang zum altehrwürdigen Großmünster und dann durch die Bahnhofstraße, bevor die Reise über Vaduz weitergeht, um schließlich an die Ausgangspunkte zurückzuführen. Einstimmiger Tenor aller Gäste: Eine großartige Reise mit tiefen Einblicken in die Geschichte der Eidgenossenschaft, mit gemütlichen Stadtspaziergängen und drei Schiffahrten, aber auch mit Fahrten durch fast unberührte Natur. Dazu ist auch noch der Gaumen auf seine Rechnung gekommen. Also in jeder Hinsicht erfreuliche fünf Tage, wohl wert, noch lange in Erinnerung zu bleiben.