Prag im goldenen Advent

 

Alle Jahre wieder fahre ich in der Vorweihnachtszeit in die „Goldene Stadt“ - der vom Tiroler Reiseveranstalter geprägte Name der Reise „Prag im goldenen Advent“ hat sich in der Zwischenzeit so richtig eingebürgert.

Das nunmehr vierte Jahr in Folge entführe ich also meine Gäste im Advent nach Prag, am 6. Dezember 2oo7 beginnt die Vier-Tage-Reise in Tirol, wobei für Salzburger Gäste ein Zubringer zur Verfügung steht. Das bewährte Programm der Vorjahre bleibt im wesentlichen gleich, allerdings habe ich auf die ursprüngliche Reiseroute zurückgegriffen. Wir fahren also über München nach Regensburg und überqueren bei Waidhaus die Grenze nach Böhmen. Weiter geht es direkt nach Prag. Die Rückreise führt uns somit nach Krumau und Kefermarkt sowie über Linz und Salzburg zurück nach Tirol.

 

 

Den ersten längeren Aufenthalt plane ich in Regensburg. Gehen wir gemeinsam über die Steinerne Brücke, besuchen wir den Weihnachtsmarkt auf dem Neupfarrplatz nahe dem Dom und verkosten wir dort die oberpfälzischen Spezialitäten. Ganz reizend ist der Lucreziamarkt der Kunsthandwerker auf dem Kohlenmarkt und dem in seiner Dreiecksform als schönster Platz Regensburgs bezeichneten Haidplatz unweit des Alten Rathauses. Bevor wir aber an der Steinernen Brücke noch der Historischen Wurstküche einen Besuch abstatten, ist ein Rundgang im Dom, dem Hauptwerk der Gotik in Bayern, geradezu Pflicht. Werfen wir vor allem einen Blick auf die farbenprächtigen Buntglasfenster aus dem 13. und 14. Jahrhundert.  

 

 

Doch wir müssen uns von Regensburg, so interessant der Aufenthalt in dieser als „Castra Regina“ (Lager am Regen) auf die Römerzeit zurückreichenden Stadt auch sein mag, trennen. Durchgehend auf der Autobahn kommen wir in Bayern und dann in Böhmen rasch voran und erreichen am späten Nachmittag unser ****Hotel, das unmittelbar neben einer U-Bahn-Station liegt – private Unternehmungen sind also verkehrsmäßig überhaupt kein Problem. Den ersten Abend in Prag verbringen wir allerdings gemeinsam im Hotel bei einem gemütlichen Abendessen im Schein von Kerzen. Wer allerdings will, kann mit der U-Bahn zum Wenzelsplatz fahren und erreicht zu Fuß rasch neben dem Pulverturm das Gemeindehaus, den vielleicht schönsten Jugendstilbau Prags.

 

 

Aber dann haben wir zwei volle Tage in Prag zur Verfügung. Da es unendlich viel zu sehen gibt, müssen wir uns wirklich auf Besonderes beschränken. Wobei ich darunter aber nicht nur weltbekannte Bauwerke wie etwa die Karlsbrücke oder den Veitsdom verstehe, die genau zu besichtigen ohnehin Pflicht ist. Ich möchte meinen Gästen im Verein mit unserer Prager Stadtführerin ausgewählte Bauwerke verschiedenster Stilepochen nahe bringen, weiters aber auch Passagen und Ladengalerien sowie das Johannes-Hus-Denkmal vor der wunderbaren Häuserfront am Altstädter Ring.

 

 

Der erste Vormittag in Prag ist einer ausführlichen Stadtbesichtigung gewidmet. Wir verschaffen uns zuerst bei einer Rundfahrt mit unserem Bus einen Überblick und beginnen dann auf der Kleinseite, dem Prager Stadtteil am linken Moldauufer. Prachtvolle Hausfassaden und die Nikolaus-Kirche, eines der schönsten Barockbauwerke Prags, das „Prager Jesulein“ in der Kirche Maria zum Siege, die „John-Lennon-Mauer“ gegenüber dem Malteserpalast, die Mühlen im „Prager Venedig“ gilt es zu besichtigen. Über die Karlsbrücke bummeln wir dann auf die Altstädter Seite, um nach Möglichkeit den Apostelumzug auf der Astronomischen Uhr des Rathausturmes zu verfolgen. Bei einem Abstecher in die Josefstadt, das seinerzeitige Ghetto, bleiben wir am ehemaligen Jüdischen Rathaus stehen. Unser Blick schweift hinauf zu den Uhren und umfaßt gleichzeitig unsere christliche Uhr mit den römischen Ziffern sowie die jüdische Uhr mit den hebräischen Ziffern, deren Zeiger linksherum laufen.

 

 

Sollte der Hunger noch nicht zu groß sein, spazieren wir noch zum Wenzelsplatz und besuchen dort den Weihnachtsmakt, ansonsten fallen wir rasch in eines der unzähligen Lokale ein und genießen typisch böhmisches Essen. Der Nachmittag steht dann zur freien Verfügung. Das soll aber nicht heißen, daß ich nicht greifbar bin. Ich kann mich nur nicht teilen, aber ich kann mit Rat und Tat zur Verfügung stehen und Tips geben. Wie wäre es mit einer gemütlichen Zeit am Weihnachtsmarkt, etwa am Altstädter Ring? Der Apostelumzug läßt immer wieder zur vollen Stunde grüßen, auch eine Fahrt in einer offenen Kutsche ist einfach ein Erlebnis. Und überall duftet es nach Glühwein und Bäckereien. Am Abend dann die romantische Schiffahrt auf der Moldau, wobei das gemütliche und gut geheizte Schiff langsam an den hell angestrahlten Gebäuden vorbeizieht. Bei der Fahrt moldauaufwärts vereint uns das Passieren der Schleusenanlage an Deck. Die zweistündige Schiffahrt verschönt ein Akkordeonspieler mit böhmischen und heimatlichen Weisen. Ein Hochgenuß ist aber das reichliche kalte und warme Buffet.

 

 

Am zweiten Tag in Prag haben Sie wieder „frei“. Ich organisiere gerne eine Führung durch das Burgviertel, wobei Veitsdom und Prager Burg eingehend auch innen besichtigt werden. Wir beginnen bei der Loreto-Wallfahrtsstätte und bummeln vorbei am Palais Schwarzenberg mit seinem typischen Sgraffitodekor und dem Erzbischöflichen Palais zur Prager Burg.

 

 

Im zweiten Burghof denken wir sofort an Rom. In Mauernischen entdecken wir die Skulpturen der Apostel Petrus und Paulus. Unter der von Petrus lesen wir - so wie in der Kuppel des Petersdoms -: „TU ES PETRUS…“.

 

 

Lange verweilen wir dann im Veitsdom und in der Burg, durch das Gedränge im Goldenen Gäßchen und auf der Alten Schloßstiege geht es abwärts zum Ufer der Moldau. Wieder ist ein gemütliches Mittagessen angesagt, der Nachmittag dient zum Bummeln, Einkaufen oder vielleicht auch zum Besuch des einen oder anderen der zahlreichen Museen.

Am Morgen des vierten Reisetages heißt es Abschied nehmen von Prag, doch wartet auf der Rückreise mit Krumau noch ein besonderes Erlebnis auf uns. Beim Bummel durch diese Kleinstadt im südlichen Böhmen wird uns ganz augenscheinlich gezeigt, weshalb der Ort von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen worden ist. Erfreuen wir uns aber nicht nur an den zum größten Teil liebevoll restaurierten Häusern sondern betrachten - oder kaufen - wir auch besonders schönen Weihnachtsschmuck. Staunend gehen wir unter der Schloßbrücke durch, sind doch drei Bogengänge aufeinander gestellt worden, 4o m hoch und 3o m lang, und werfen einen Blick auf den in seiner runden Form so einmaligen Turm der Unterburg.
 

 

Zur Mittagszeit sind wir dann in Kefermarkt im Mühlviertel. Bewundern wir in der äußerlich so schlichten Wallfahrtskirche St. Wolfgang den weltberühmten gotischen Flügelaltar aus dem 15. Jahrhundert. Lassen wir nicht nur die Hauptfiguren Petrus, Wolfgang und Christophorus auf uns wirken, auch die Schreinwächter und die vier Flügelreliefs verdienen unsere eingehende Betrachtung. Wir können verstehen, daß Adalbert Stifter, Konservator der Kunstdenkmäler im Lande Oberösterreich, von „Einfachheit im Gesamteindruck und Reichtum in den Einzelheiten“ gesprochen hat. Ihm haben wir die Rettung dieses vom Holzwurm zerfressenen und von zahllosen Schrotkugeln durchlöcherten Kunstdenkmals - während der langen Verwahrlosung der Kirche ist nach dort nistenden Vögeln geschossen worden - zu verdanken.

Nach diesem Kunsterlebnis brechen wir auf zur letzten Etappe. Zurück in die engere Heimat geht es vorerst nach Salzburg und letztlich nach Tirol, wissend, daß die vier Tage in Bayern, Böhmen und Oberösterreich uns tiefe Einblicke in die gemeinsame Geschichte und in die Gegenwart, aber vor allem auch in die Kunstgeschichte gewährt habe.