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Plitwitzer Seen
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Natur pur in verschiedenster Form erwartet Sie auf dieser Herbstreise, bei der Sie in drei Tagen ganz gemütlich eine Fülle von Schönem genießen können. Folgen Sie mir am 22. Oktober 2o1o in ein Gebiet der seinerzeitigen Österreichisch-Ungarischen Monarchie, in dem Ihnen bestimmt noch vieles vertraut vorkommt.
Von Oberösterreich, aber auch von Tirol aus fahren wir nach Salzburg, um
auf der Tauernautobahn die Zentralalpen zu queren. Vorbei an Spittal und
Villach geht es nach Slowenien, wobei wir im Karawankentunnel die
Staatsgrenze passieren. Auf dieser Anfahrtsstrecke können wir einerseits
unsere Blicke über die schöne Landschaft schweifen lassen, andererseits
kann ich die geschichtliche Entwicklung umreißen, als deren Folge die
erdkundlichen Bezeichnungen in verschiedenen Sprachen, nämlich deutsch,
ungarisch, italienisch, slowenisch und kroatisch, feststellbar sind. So
erreichen wir bald nach Laibach / Ljubljana / Lubiana / Labacum unser
erstes Ziel, wo ein längerer Aufenthalt geradezu verpflichtend ist. Es
ist Adelsberg / Postojna / Postumia mit seinem phantastischen
Tropfstein-Höhlensystem, dessen Eingang sich gleich neben dem Hotel Jama
(Jama = Grotte) befindet.
Für uns ist es also selbstverständlich, der Adelsberger Grotte /
Postojnska jama / Grotte di Postumia einen Besuch abzustatten, der
heutzutage sogar äußerst bequem zu bewerkstelligen ist. Allerdings sind
warme Kleidung (die Temperatur liegt im Höhlensystem konstant bei 8 ° C)
und festeres Schuhwerk angesagt. Mit einem Schmalspurelektrozug können
wir in das Höhlensystem hineinfahren und dann entweder mit einem Führer
zu Fuß weitermarschieren oder aber - praktisch als Rundreise - sitzen
bleiben und gleich wieder hinausfahren. Auf jeden Fall kommen wir an
unzähligen Stalaktiten und Stalagmiten vorbei. Da ein Tropfstein für
einen Millimeter Wachstum etwa zehn Jahre benötigt, werde ich mit freiem
Auge seit meinem letzten Besuch bestimmt keine natürliche Veränderung
feststellen können. In den etwa 1 ½ Stunden für Zugfahrt und Fußmarsch
reiht sich ein prachtvoller Blick an den anderen - die Zeit vergeht wie
im Flug.
Es würde in dieser Reisevorschau den Raum sprengen, auf die Erforschung des Höhlensystems im Lauf der Jahrhunderte sowie überhaupt auf die Entstehung von Tropfsteinhöhlen einzugehen. Dies kann ich im Zuge der Reise ausführlich genug machen. Voraussichtlich keine Zeit wird aber verbleiben, um nach dem ‚Abenteuer Höhle’ noch ein paar Kilometer weiter zur Höhlenburg des Raubritters Erasmus Lueger weiterzufahren, da die Besichtigung der teilweise in den Felsen hineingebauten Burg doch wieder längere Zeit in Anspruch nehmen würde. Auch Lipizza / Lipica mit seinem Gestüt müssen wir ‚rechts liegen lassen’.
Die Fahrt geht also weiter zum Meer, das wir im heutigen Kroatien bei
St. Veit am Flaum / Rijeka / Fiume / Reka / Szentvit, diesem ehemals
ungarischen Seehafen, erreichen. Auf der Küstenstraße mit herrlichen
Blicken über das Wasser und auf die Insel Krk / Veglia fahren wir nach
Südosten bis Senj / Senia, um über den Vratnik-Paß und Ottocan / Otocac
/ Otocsán das Tagesziel, nämlich die Plitwitzer Seen / Plitvicka jezera,
zu erreichen. In einem eleganten Hotel mitten im Grünen und nahe den
Seen werden wir freundlich aufgenommen. Die Vorfreude auf die Erlebnisse
des kommenden Tages spiegelt sich in den Gesichtern wider.
Dann nämlich der wohl erwartete Höhepunkt, nämlich der Aufenthalt den
ganzen Tag über in Kroatiens international vielleicht bekanntester
Natursehenswürdigkeit, nämlich an und auf den Plitwitzer Seen. Nicht
ohne Grund ist der bereits 1949 gegründete Nationalpark von der UNESCO
zum Weltnaturerbe erklärt worden, nachdem ein Dalmatien-Reisehandbuch
die Seen bereits 19o9 als ‚wohl romantischste Gegend im
österreichisch-ungarischen Litorale’ bezeichnet gehabt hat.
Den grandiosen Effekt der Seenlandschaft hat die Natur durch
Terrassierung hervorgebracht. Aus dem hohen dicht bewaldeten Bergland,
dessen Untergrund aus Kalkgestein besteht, fließen Dutzende Bäche
abwärts, transportieren den Kalk und lagern diesen schließlich wieder
ab. So entstehen Dämme, über die sich die vielfach verästelten
Wasserfälle stürzen, während sich hinter den Dämmen ruhige Seen bilden,
in denen das Fließen des Wassers kaum wahrnehmbar ist. Durch das
ständige Wachstum der Dämme - bis zu 3 cm pro Jahr - ändern sich ständig
die Wege des Wassers.
Natürlich können wir nicht die gesamten 19.426 ha des Nationalparks
erforschen, um dessen obere Seen sich ausgedehnte Buchenwälder mit einem
geschützten Lebensraum für Bären, Wölfe und Luchse sowie viele seltene
Vogelarten gruppieren, während die Landschaft der unteren Seen mehr von
Strauchvegetation beherrscht wird. Wir haben aber die Möglichkeit, mit
dem Panoramazug bereits weit vorzudringen und den größten der sechzehn
Seen, den Kozjak-See, mit einem Elektroboot zu befahren. Machen Sie sich
an Ort und Stelle selbst ein Bild, was atemberaubender ist, der Blick
auf die über siebzig Meter hohen Sastavci-Wasserfälle oder der
‚Spaziergang’ auf einem Bohlenpfad unter den Wasserfällen des
Kaluderovac-Sees.
Die weiße ‚Seekreide’ am Boden der Seen bricht das Sonnenlicht und läßt
das Wasser in wunderschönen blauen und grünen Tönen spiegeln. Füllen
sich die Poren zwischen den Kalzitkristallen, entsteht ein sehr leichtes
und trotzdem äußerst festes Gestein, nämlich der Travertin.
Beeindruckt von diesem grandiosen Naturerlebnis kehren wir in unser
Hotel zurück, um am Abend noch lange über das Gesehene zu plaudern. Am
Morgen des dritten Reisetages heißt es aber dann nicht allzu spät die
Heimreise anzutreten, haben wir doch noch einen weiten Weg
zurückzulegen. Die Fahrt geht über Carlstatt / Karlovac nach Slowenien,
wobei wir an Rudolfswerth / Neustädtl / Novo Mesto sowie Laibach /
Ljubljana / Lubiana / Labacum vorbeifahren. Dort schließt sich der
Kreis. In Veldes / Bled mit seinem einladenden See legen wir eine
längere Pause ein. Zu romantisch ist es, die Stimmung am Seeufer zu
genießen und zu dem winzigen Eiland mit seiner alten Kirche oder hinauf
zur Burg zu blicken. Sollte es die Zeit zulassen, wäre eine Kahn- oder
auch Kutschenfahrt natürlich ein zusätzliches Erlebnis.
Weiter geht die Fahrt auf der bereits bekannten Strecke durch den
Karawankentunnel, vorbei an Villach sowie Spittal und auf der
Tauernautobahn nach Norden. An den Abreiseorten in Salzburg,
Oberösterreich und Tirol endet dann die Reise, die einerseits durch
‚ober- und unterirdische Wunder der Natur’ besticht, auf der wir aber
andererseits viel über unsere Geschichte plaudern können. An
landschaftlich schönster Stelle vereinigen wir uns zum Gruppenbild, um
mit diesem in meinem Reiserückblick an schöne Tage mit einmaligen
Erlebnissen erinnert zu werden.
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