Blütenzauber auf der Mainau und andere Erlebnisse

 


 

Auch drei Tage reichen schon aus, um bei richtiger Zeiteinteilung ganz gemütlich viel Schönes und Interessantes zu erleben, wie die ‚Frühlingsreise an den Bodensee’ zeigt. In den aus Oberösterreich kommenden Luxusbus eines Salzburger Veranstalters steige ich mit zwei Damen aus Innsbruck in Rosenheim zu, der Kontakt untereinander ist rasch hergestellt. Da sich das Wetter für eine Filmvorführung anbietet und ich nach Möglichkeit bei jeder Busreise Filme über das Zielgebiet bringe, zeige ich nach der angenehmen Kaffeepause im Rasthaus Holzkirchen einen Film über Bodensee und Rheinfall. Nach dem Film bleibt aber noch Zeit, um die Gäste auf die Mittagspause in Mindelheim und den dortigen Stadtrundgang einzustimmen. Von einer früheren Reise ins Allgäu habe ich noch Stadtpläne und Informationsmaterial für alle Gäste, sodaß sich jeder Gast nach dem gemeinsamen Rundgang selbständig machen kann.
 


 

Vom Mindelheimer Busparkplatz sind es nur wenige Schritte zum Unteren Tor, durch welches wir von Westen her die Altstadt betreten. Die Maximilianstraße mit ihren schönen Giebelhäusern liegt vor uns, zum Rathaus ist es nicht mehr weit. Georg von Frundsberg grüßt von diesem herunter auf die Gäste, die sich vor dem Marienbrunnen versammeln.
 


 

Natürlich müssen wir noch das Bild der so prächtigen Häuser der Maximilianstraße bis zum Oberen Tor genießen und dann einen Blick auf die allerdings teilweise eingerüstete Pfarrkirche St. Stephan werfen.
 


 

In kleinen Gruppen teilen wir uns in verschiedene Gastlokale zum Mittagessen auf, wobei wir alle ganz vorzüglich speisen. Unter den Suppen wird vor allem die Brätstrudelsuppe sehr gelobt.
 


 

Die Verspätung beim Mittagessen bringt zwar meinem Zeitplan etwas durcheinander, aber wir sind ja schließlich nicht auf der Flucht und können mit Leichtigkeit das vorgesehene Programm absolvieren. Vorerst ist aber vorübergehend allgemeine Ruhe im Bus angesagt – der Stadtspaziergang, das gute Essen und die ruhige Fahrt wirken sich aus.

Lindau im Bodensee müssen wir leider ‚links liegen lassen’, da als letzter Höhepunkt des ersten Reisetages Friedrichshafen vorgesehen ist. Alle Gäste stürmen mit mir das Zeppelin Museum, wobei angefangen beim Maybach ‚Zeppelin’ aus dem Jahre 1938 die Bilder und Erinnerungsstücke aus der Geschichte vor allem der deutschen Luftschiffahrt bestaunt werden. Besonders der Nachbau eines Teiles der LZ 129 ‚Hindenburg’ findet großes Interesse. Heutzutage würde das Promenadendeck dieses Luftschiffes wohl anders aussehen.
 


 


 

So wie im technischen Teil stellt auch in der Kunstsammlung des Zeppelin Museums die akustische Führung eine große Hilfe dar. Das technische Interesse ist also gestillt, jetzt gilt es, sich in dieser einen Überblick zu verschaffen und dann das herauszupicken, was dem persönlichen Geschmack entspricht. Während ich in der Vorschau zu dieser Reise von Franz Seraph Stirnbrand ‚Einlaufen des Raddampfers „Kronprinz“ in den Hafen von Friedrichshafen’ (Öl auf Leinwand, 184o) zeige, stelle ich in diesem Reiserückblick von Joseph Moosbrugger ‚Meersburg am Bodensee’ (Öl auf Leinwand, um 1853) vor als Beispiele für die enorme Bedeutung des Museums auch im Hinblick auf seine Sammlungen aus dem Gebiet der bildenden Künste. Zum Unterschied von vielen anderen Museen darf im Zeppelin Museum – wenn auch ohne Blitz und Stativ – photographiert werden, was mir im Interesse des Kontaktes zwischen Museum und Gästen sehr gelegen kommt.
 


 

Während etliche Gäste die gesamte für Friedrichshafen vorgesehene Zeit im Museum verbringen, genießen andere auf der Terrasse des Museumsrestaurants bei Kaffee und Kuchen den Blick auf Leben und Treiben im Hafen. Wiederum andere erklimmen den Aussichtsturm an der Hafenmole und berichten dann ganz begeistert über ihr ‚Höhenerlebnis’.
 


 

Da das Zeppelin Museum um 17 Uhr seine Pforten schließt, fahren wir zu dieser Zeit ab, bis nach Dornbirn zu unserem Standorthotel ist ja doch noch eine größere Strecke zurückzulegen. Was aber jetzt noch folgt, ist eine Fahrt durch eine verschwenderisch ausgestattete Natur – links und rechts der Straße grünt und blüht es. Es ist gleichsam ein Vorgeschmack auf die Blumeninsel Mainau.
 


   

Freundlich werden wir im ****Hotel ‚Hirschen’ in Dornbirn mit einem Begrüßungstrunk empfangen, der Zimmerbezug geht rasch vonstatten.
 


 


 

So wie wir das Abendmenü genießen, so schmeckt das Frühstücksbuffet, wobei auch ‚das Auge mitnascht’. Selten wird in einem ****Hotel ein derart reichhaltiges Buffet geboten, das sogar so weit geht, daß der Gast an einer Schneidemaschine die gewünschte Dicke des Specks bestimmen kann.
 


 

Leider verletzt sich eine Dame am frühen Morgen an der Hand und kann daher nicht mitfahren, doch erhalten wir ‚Zuwachs’ in der Weise, daß ein Paar aus Bregenz, das mich schon auf etlichen Reisen begleitet hat, für den Tagesausflug zu uns stößt. Dieser Tagesausflug vereint von allem etwas, was Natur, Kunst und Technik am Bodensee sowie am Rhein zu bieten haben. 

Großteils auf Landstraßen fahren wir durch kleine Dörfer mit hübschen Fachwerkhäusern und blühenden Obstbäumen, ein richtiger Genuß für das Auge. In Schaffhausen bekommen wir einen weiteren ‚Zuwachs’ – eine liebe Kollegin aus dieser Stadt stößt zu uns und erzählt uns Interessantes aus ihrer Heimatstadt, wobei sie zwischen Hochdeutsch und Schwyzerdütsch wechselt. Das Ziel ist Schlößli Wörth am rechten Rheinufer unterhalb des Falls. Von dort können wir diesen in seiner ganzen Breite überblicken und bereits die kleinen Schiffe von Rhyfall Mändli, die die Touristen zum Felsen in der Mitte des Rheinfalls bringen, beobachten.
 


 

Fast alle Gäste entschließen sich spontan, diese zwar abenteuerlich anmutende, aber völlig ungefährliche Schiffahrt mitzumachen und äußern sich dann begeistert über das Erlebnis. Mitten im Fall verläuft die Grenze zwischen den Kantonen Schaffhausen und Zürich; dort ragt ein Felsen empor, den der Schiffsführer mit viel Geschick ansteuert. Die Gäste können dann den Felsen auf steilen Stufen erklimmen und oben auf der Plattform ein überwältigendes Schauspiel genießen: Rundherum braust es und gischtet es, die Luft ist voll mit emporgeschleuderten Wasserkaskaden, das eigene Wort ist kaum zu verstehen. Da kann sich wirklich nur der hineinfühlen, der dieses Erlebnis ungebändigter Natur mitmacht.
 


 

Die Anlandung und die ‚Erholungsphase’ danach muß ich natürlich auch festhalten.
 


 


 

Noch einmal fahren wir durch das Stadtgebiet von Schaffhausen und werfen einen letzten Blick auf die runde Festungsanlage, den Munot, dann müssen wir uns von meiner Kollegin verabschieden.

Jetzt steht die Fahrt zur Insel Mainau bevor. Auf die Insel können wir nicht mit unserem Bus, wir müssen zu Fuß über eine kleine Brücke. So gesehen ist Mainau gar keine Insel mehr. Was uns aber dann geboten wird, ist überwältigend. Der Jahreszeit entsprechend sind es in erster Linie Tulpen, wenn wir auch von einem in voller Blüte stehenden Magnolienbaum empfangen werden.
 


 


 

Ich lasse einfach die Bilder für sich sprechen – sie sagen alles. Zwischendurch treffen sich die Gäste etwa im Schmetterlingshaus oder im Palmenhaus, in dem die Orchideenschau bewundert werden kann.
 


 


 

Während ich in der Vorschau einen auf einer früheren Reise aufgenommenen Pfau zeige, läßt sich bei diesem Ausflug keiner dieser Vögel blicken. Vielleicht gibt es keine weißen Pfaue mehr. Aber aus abertausenden Blumen künstlerisch gestaltet treffen wir auf ein Prachtexemplar dieses Hühnervogels.
 


 

Was unsere Freude noch erhöht sind die hohen, fast schon sommerlichen Temperaturen. Da macht das Flanieren in den Alleen und auf den freien Wegen noch mehr Spaß. Und überall, wohin das Auge blickt, grünt und blüht es. Für viele Besucher des Bodenseegebietes möglicherweise der Hauptgrund für so eine Reise.
 


 


 

Stundenlang können wir ‚Natur pur’ genießen, die Blütenpracht bewundern und dem Zwitschern der Vögel lauschen. Doch einmal muß Schluß sein, wir wollen ja noch weiter. Die Fahrt nach Konstanz ist rasch zurückgelegt. Mit unserem Bus fahren wir ‚in den Bauch’ des Fährschiffes, das uns in kürzester Zeit nach Meersburg bringt. Die Überfahrt ist ein weiterer Genuß - seekrank wird niemand.
 


 


 

In Meerburg können wir uns nicht länger aufhalten, auf kürzestem Weg geht es zur Wallfahrtskirche Birnau, wo wir natürlich eine Besichtigungspause einlegen. Was der Vorarlberger Peter Thumb als Baumeister im Verein mit dem Stuckateur und dem Freskanten geleistet hat, ist einfach gewaltig.
 


 

Nun ist aber das ‚Pflichtprogramm’ abgeschlossen, was jetzt noch folgt, ist – wie am Vortag ab Friedrichshafen - wiederum die Fahrt durch eine verschwenderisch ausgestattete Natur. Das feine Abendessen im Hotel Hirschen vereint uns wieder mit unserer ‚Verunfallten’, die trotz eines Bruches guter Laune ist. Danach verlassen uns die beiden Bregenzer, die mit den anderen Gästen den Tag sichtlich genossen haben.

Nach dem Frühstücksbuffet habe ich Gelegenheit, unseren Bus mit dem von allen Gästen einhellig gelobten Fahrer August (‚Gust’) vor dem Hotel festzuhalten. Dann gesellt sich auch noch eine der lieben Damen von der Rezeption zu uns, um uns zu verabschieden.
 


 


 

So manch einem fällt der Abschied von diesem feinen Hotel nicht leicht, es wird sogar der Wunsch geäußert, diese ‚Mainau-Reise’ um einen Tag zu verlängern, um noch mehr Zeit für die ‚Blumeninsel’ sowie für sonstige kulturelle Erlebnisse, auf die ich während der Fahrt hinweise, zu haben.

Da wir im Zuge der Rückreise nahe den Königsschlössern vorbeikommen, zeige ich zu Beginn der Fahrt einen Film über den ‚Märchenkönig’ Ludwig II. und seine Schlösser, der mit viel Interesse verfolgt wird. Dann sind wir aber schon in Isny, wo wir den ersten Halt einlegen. Wir besichtigen zuerst die schlichte evangelische Nikolaikirche und dann die Pfarrkirche St. Georg, genannt ‚Rokoko-Perle des Westallgäus’. Wenn auch kleiner, so steht sie mit ihrer Stuckausstattung und ihren Fresken der Wallfahrtskirche von Birnau kaum nach.
 


 

Weiter geht die Fahrt. Außer Programm habe ich noch ein gar nicht allgemein bekanntes Naturschauspiel vorgesehen. Wir legen einen kurzen Halt beim Lechfall von Füssen ein.
 


 

Auf der Weiterfahrt grüßt von der Ferne Neuschwanstein herab, doch würde die Besichtigung des Schlosses den Zeitrahmen sprengen. So kommen wir pünktlich bei der ‚Wies’ an, wo ich uns im Gasthof Moser angemeldet habe. Offensichtlich etwas hungrig strebt alles der ‚Krippe’ zu. Beim Essen à la carte kommt dann jeder auf seine Rechnung.
 


 

Einerseits die Lage inmitten von Wiesen mit grünen Kuppen rundherum, andererseits auch hier die für den Barock typische Vereinigung von Baukunst, Stuckatur und Malerei, aber auch die freundlichen hellen Farben im Kircheninneren machen die einmalige Wirkung aus. Eine für den Spätbarock typische Besonderheit kann ich meinen Gästen zeigen, nämlich den Übergang von Malerei in die Plastik. Ein gemalter Putto streckt sein Füßchen aus dem Bild heraus.
 


 

Endlich habe ich auch Gelegenheit, die ganze Gruppe mit unserem ‚Gust’ vor dem Bus festzuhalten.
 


 

Weitere für die Gäste überraschende Aufenthalte, die ich aber mit dem Reiseveranstalter abgesprochen habe, legen wir bei der Echelsbacher Brücke sowie in Ettal ein. Die Echelsbacher Brücke ist der ‚Wallfahrtsort der Brückenbauer’ – mit ihrer Spannweite von 13o Metern ist sie 1929 eine technische Meisterleistung gewesen. In Ettal schließlich kann ich noch die Klosterkirche St. Maria mir ihrer mächtigen, alles beherrschenden Kuppel zeigen, bevor wir durch Garmisch-Partenkirchen und den Zirlerberg hinunter ins Inntal fahren. In Innsbruck verabschiede ich mich mit den beiden Innsbrucker Damen von den weiteren Reiseteilnehmern und unserem ‚Gust’; sie haben noch eine längere Wegstrecke vor sich. Vor der Wiltener Basilika kann ich von einer kleinen Gruppe noch ein letztes Bild schießen.
 


 

Wenn auch vielleicht das Hauptgewicht dieser Kurzreise auf dem Gebiet ‚Natur’  (insbesondere auf der Insel Mainau) gelegen ist, so sind ‚Kultur’ (etwa Kunstsammlung und Kirchen) sowie ‚Technik’ (Zeppelin Museum, Fahrt mit dem Fährschiff und Echelsbacher Brücke) auch nicht zu kurz gekommen, wie mir die Gäste bestätigt haben.