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Oberschwäbische Barockstraße und Bodensee
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Nicht weit weg von unserer Tiroler Heimat und doch in manchen Teilen – beinahe – unbekannt. Daher entführe ich Sie am 1o. September 2oo8 für vier Tage nach Bayern und Baden-Württemberg. In Eglofs, einem kleinen Luftkurort, beziehen wir unser Standorthotel nahe der barocken Pfarrkirche an einem der schönsten Dorfplätze des Allgäus.
Der Weg nach Eglofs führt uns
von Innsbruck über Reutte und entlang des Weißensees vorerst nach Isny,
seinerzeit kleinste aller Freien Reichsstädte, deren Türme und
Wehranlagen noch gut erhalten sind. Die äußerlich unscheinbare
Pfarrkirche St. Georg erweist sich im Inneren als ‚Rokoko-Perle des
Westallgäus’. Die benachbarte evangelische Nikolaikirche bietet sich
schlicht und einfach dar.
Der Aufenthalt in Isny währt
nicht lange, die Fahrt geht weiter nach Eglofs, wo wir in unserem Hotel
die Zimmer beziehen und das Mittagessen einnehmen. Die Besichtigung der
barocken Pfarrkirche geht sich noch aus, bevor wir uns in Wangen von
einer einheimischen Stadtführerin den liebevoll restaurierten
mittelalterlichen Ortskern der einstigen Freien Reichsstadt zeigen
lassen. Er soll zu den schönsten in ganz Süddeutschland zählen –
malerische Türme und Tore, schmucke Fassaden und farbenfrohe
Wandmalereien sowie zahllose kunstvoll geschmiedete Zunftzeichen fügen
sich zu einem Stadtbild, das geschlossen unter Denkmalschutz steht. Das
Rathaus zählt zu den prachtvollsten historischen Profanbauten im Allgäu.
Während der Anreisetag reizvolle
Landschaft sowie kunsthistorischen Genuß bringt, führt uns der zweite
Reisetag vorerst über Autobahn und Landstraße nach Norden, wo wir uns
einem kleinen Städtchen nähern, das von einer bereits um 1o9o
gegründeten Benediktiner-Reichsabtei beherrscht wird. Die
Konventsgebäude und die in üppigem Barock ausgestattete Klosterkirche
stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Schon von weitem erkennen wir
den markanten haubengedeckten Kirchturm, der von der Laterne, der
Erdkugel und einem Goldkreuz überragt wird, stolze 61.88 m hoch. Im
Wappen über dem Kirchenportal sehen wir den namengebenden Ochsen – wir
befinden uns in Ochsenhausen, wo wir zu Mittag einen der wenigen fixen
Termine wahren müssen.
Um Punkt 12.oo Uhr dampft das
‚Öchsle’, die Museumsschmalspurbahn, ab und zuckelt gemächlich durch
Wiesen und Wälder. Während der Fahrt können wir uns im Restaurantwagen
verwöhnen lassen. Nach 7o Minuten erreichen wir Warthausen, wo wir von
der 75o-mm-Spurweite Abschied nehmen und in unseren Bus umsteigen.
Auf dem Weg nach Bad
Schussenried zeige ich meinen Gästen die ‚Schönste Dorfkirche der Welt’
in Steinhausen. Die Wallfahrtskirche St. Peter und Paul trägt diesen
Namen zu Recht – wir erleben Rokoko in Reinkultur und genießen im ovalen
Zentralbau der Kirche die geschickte Verschmelzung von Architektur,
plastischer Dekoration und Malerei. Ein für viele sicher unerwarteter
Hochgenuß, dem wir im urigen Biergarten des Reiterhofs eine gemütliche
Brotzeit folgen lassen.
Nach Bad Schussenried ist es
nunmehr nicht mehr weit, zwei völlig konträre Erlebnisse harren unser.
Zuerst ist die ursprünglich romanische, dann durch einen spätgotischen
Vorbau und Chor erweiterte und schließlich barockisierte ehemalige
Prämonstratenser-Reichsabtei St. Magnus unser Ziel. Freuen wir uns auf
die fachkundige Führung, bei der uns insbesondere das prachtvolle
Chorgestühl nahegebracht wird.
Die folgende Stunde ist eher
profanen Genüssen zugetan – wir fallen im Bierkrugmuseum ein. Über 1ooo
Bierkrüge aus fünf Jahrhunderten können wir besichtigen und anschließend
noch gemütlich im Biergarten verweilen.
Was auf dieser Reise bisher noch fehlt, ist eine Schloßbesichtigung. Diese folgt am dritten Reisetag, wobei ich gleich mit dem ehemaligen Zisterzienserkloster Salem - bis zur Säkularisation im Jahre 18o3 reichsunmittelbare Abtei und seither markgräflich badischer Besitz - eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten im Bodenseegebiet ausgesucht habe. Während das Münster außen als Musterbeispiel hochgotischer Baukunst gilt, strotzen die Baulichkeiten im Inneren – dem damaligen Zeitgeschmack entsprechend – vor prächtigem Rokoko-Gold und feinstem Stukkaturen-Weiß. Lernen wir bei einer Führung die Räume des ehemaligen Konventsgebäudes, allen voran den Kaisersaal und die Bibliothek, kennen. Einen größeren Unterschied zum nächstfolgenden Erlebnis könnte ich wohl nicht mehr bieten. Gehen wir ‚zu den Affen’! Ich meine damit den Affenberg Salem als naturnahes Freigehege für über 2oo Berberaffen. Auf einem 6oo m langen Rundweg können wir die Tiere aus nächster Nähe beobachten. Berberaffen leben in Marokko und Algerien in Höhen bis über 2ooo m, haben also infolge der Anpassung an das raue Klima in ihrer Heimat auch hier im Winter keine Probleme mit der Kälte. Am Storchenweiher beim Eingang befinden sich Brutkolonien frei fliegender Störche Als wenn ich noch nicht genügend
Kirchen gezeigt hätte, wir müssen noch eine ansehen, die im 2o.
Jahrhundert von drei Päpsten besucht worden ist. Auf dem Weg zum Ufer
des Bodensees machen wir noch einen Abstecher zur vielleicht schönsten
Barockkirche der gesamten Gegend, nämlich zur Wallfahrtskirche Birnau.
Den Tag beenden wir mit einer
ausgedehnten Besichtigung von Minimundus. Wir steuern aber nicht ‚Die
kleine Welt am Wörthersee’ an, sondern den bei uns weniger bekannten
Namensvetter in direkter Nachbarschaft zum Ravensburger Spieleland in
Meckenbeuren. ‚Die kleine Welt am Bodensee’ ist zum Unterschied von
Minimundus am Wörthersee in Themenbereiche gegliedert. Wandeln wir etwa
im Bereich ‚Orient und Wüste’ zwischen Pyramiden, Minaretten, Palmen und
Kakteen oder gehen wir bei einer Floßfahrt auf ‚Entdeckungsreise in
Ostasien’. Im Themenkreis ‚Aus aller Welt’ finden wir die Wahrzeichen
vieler Länder, wie beispielsweise die Tower Bridge in London, die
Kapellbrücke mit dem Wasserturm in Luzern, aber auch ‚unser’ Goldenes
Dachl. Zählen wir, ob dieses – wie alle anderen Modelle im Maßstab 1 :
25 – wirklich 2657 feuervergoldete Kupferschindeln hat!
Zu einem Aufenthalt am
Schwäbischen Meer gehört einfach eine Schiffahrt. Je nach verbleibender
Zeit machen wir diese zum Abschluß des dritten Reisetages oder am Tag
der Heimreise. An diesem bummeln wir noch durch Lindau im Bodensee, wo
ich außer dem allgemein bekannten ‚Postkartenmotiv Hafeneinfahrt’ noch
viel Schönes und Interessantes zeigen kann. Der weitere Weg nach Hause
führt uns dann durch den Bregenzer Wald, wobei wir schließlich über
Hochtannbergpaß, Flexenpaß und Arlbergpaß von etwa 4oo m Seehöhe auf
fast 18oo m kommen.
Trotz der vielen Besichtigungen
eine gemütliche Kulturreise, auf der wir durch unser günstig gelegenes
Standorthotel alle Ziele bei nur kurzen Fahrzeiten erreichen können.
Lassen wir dieser Fahrt im kommenden Jahr eine weitere Bodensee-Reise
folgen, auf der ich meinen Gästen vieles weitere Schöne und Interessante
zeigen kann, wie beispielsweise die Pfahlbauten von Unteruhldingen und
das Zeppelinmuseum in Friedrichshafen oder das Aquarium in Konstanz und
das Napoleonmuseum in Arenenberg. Mit Hilfe der drahtlosen Telegraphie
kommen wir am Bodensee zu jedem Ziel!
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